Hanau erklärt Grab von Richard Estler zum Ehrengrab und übernimmt Pflege

Hanau erklärt Grab von Richard Estler zum Ehrengrab und übernimmt Pflege
Hanau erklärt Grab von Richard Estler zum Ehrengrab und übernimmt Pflege | Bild: © Stadt Hanau / Moritz Göbel

Die Stadt Hanau hat die Grabstätte des Malers und Lehrers Richard Estler auf dem Friedhof Kesselstadt zum Ehrengrab erklärt. Die Entscheidung sieht vor, dass die Stadt die Pflege und Unterhaltung der Grabstätte übernimmt. Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Stadträtin Isabelle Hemsley begründeten die Maßnahme mit Estlers Bedeutung für die Kunst und Bildung in Hanau.

Städtische Entscheidung und Folgen

Die Erhebung der Grabstätte in den Rang einer Ehrengrabstätte erfolgte nach der städtischen Richtlinie zur Anerkennung von Ehrengräbern. Mit dem Ehrengrabstatus übernimmt die Stadt Hanau die laufende Pflege und Unterhaltung der gesamten Grabstätte.

Oberbürgermeister Claus Kaminsky sagte, man würdige mit Richard Estler eine herausragende Persönlichkeit der Hanauer Kunst und Stadtgeschichte, deren Wirken über die Stadt hinaus Strahlkraft besitze. Stadträtin Isabelle Hemsley betonte, Estler stehe beispielhaft für eine Künstlergeneration, deren Lebenswerk durch die politischen Verwerfungen des 20. Jahrhundert geprägt worden sei. Mit der Auszeichnung solle sein Andenken bewahrt und seine Bedeutung für Hanau als Kunst und Bildungsstandort anerkannt werden.

Leben, Lehrtätigkeit und künstlerisches Werk

Richard Estler wurde 1873 in Dresden geboren und starb 1952 in Frankfurt am Main. Nach einer ersten Ausbildung an der Gewerbeschule in Dresden studierte er von 1892 bis 1898 an der Kunstgewerbeschule Dresden. 1901 folgte er einem Ruf von Professor Max Wiese an die Königliche Zeichenakademie in Hanau, 1921 erhielt er den Professorentitel.

Als Mitglied der Loge Braunfels zur Dreieinigkeit geriet Estler in Konflikt mit den Nationalsozialisten. Ende 1934 wurde er vorzeitig und mit gekürzten Bezügen in den Ruhestand versetzt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte er für kurze Zeit an die Staatliche Zeichenakademie Hanau zurück.

Estler arbeitete mit Zeichnung, Aquarell, Holzschnitt und Öl. Motive waren vor allem Landschaften, Naturdenkmale und Altstadtansichten aus Städten wie Dresden, Frankfurt und Hanau, die im Zweiten Weltkrieg massiv beschädigt wurden. Seine Werke wurden regelmäßig in Ausstellungen in der Rhein Main Region sowie in München und Berlin gezeigt. Heute befinden sich die meisten Arbeiten in Privatbesitz.

Grabstätte und rechtliche Regelung

Die Grabstätte in Kesselstadt wird als ein sogenanntes zweistelliges Erdwahlgrab anerkannt und in seiner Gesamtheit unter städtische Pflege gestellt. Da weiterhin Angehörige dort beigesetzt werden und das Nutzungsrecht aktuell bis 2029 läuft, sieht die städtische Regelung eine besondere Übergangsregelung vor, die die Übernahme der Pflege bereits vor Ablauf der Nutzungszeit ermöglicht.

Die Stadt Hanau begründet den Schritt mit dem Wunsch, das kulturelle Erbe der Stadt zu bewahren und an prägende Persönlichkeiten der lokalen Kunstgeschichte zu erinnern. Das Ehrengrab stellt zugleich eine Form der Anerkennung für Estlers Wirken als Künstler und Lehrer dar.

Quelle anzeigen

Über den Autor

redaktion
Heusenstamm im Blick. Jeden Tag informiert.